Von Beginn an haben Aktivist:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen die Idee des Humboldt Forums im Berliner Schloss abgelehnt und kritisiert. Durch kulturelle und politische Interventionen ist es ihnen gelungen, das Projekt als Fortschreibung des kolonialen Unrechtssystems erkennbar und die Auswirkungen dieses Systems auf die heutige Gesellschaft sichtbar zu machen. In dieser Tradition steht auch BARAZANI.berlin – Forum Kolonialismus und Widerstand. 

BARAZANI.berlin nutzt die Möglichkeiten des virtuellen Raums, um sich am leeren Schlossplatz in der Mitte Berlins zu verorten. Es besetzt die verlorene Brache des Jahres 2012 und nutzt sie als Ort des Widerstands; als Ort künstlerischer Praxis; als Ort des Zuhörens und der kreativen Utopie, an dem sich dekoloniale Perspektiven begegnen und verhandelt werden.

Das Wort “barazani” bedeutet auf Kiswahili unter anderem Forum. Es steht für einen Raum der Zusammenkunft und der Diskussion, aber auch der Rechtsprechung. Bewusst sollen somit außereuropäische Konzepte bei der Konstitution von BARAZANI.berlin im Vordergrund stehen. Dabei beschränkt sich das Projekt keinesfalls auf den Bezug zu Ostafrika, sondern zentralisiert die Perspektiven all derer, die vom Kolonialismus zum Schweigen gebracht wurden und immer noch werden. 

BARAZANI.berlin sucht nach einem aufrichtigen und angemessenen Umgang mit den generationsübergreifenden Traumata, die Kolonialismus und Imperialismus bis heute verursachen. Wir schließen uns Forderungen nach einer neuen Ethik der Beziehungen an – nach Gerechtigkeit und Respekt, nach symbolischer und materieller Reparation. Insbesondere fragen wir dabei nach der Verantwortung von Museen und anderen Kulturinstitutionen.  

BARAZANI.berlin widmet sich der Geschichte des antikolonialen Widerstandes. In virtuellen Ausstellungen versammelt es eine ständig wachsende Zahl von Objekten und Dokumenten, die unsere Mitstreiter:innen zur Verfügung stellen. Dabei begreift sich das Projekt als Forum für Positionen, die eine radikale Veränderung fordern – im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Fortschreibungen in unserer Gegenwart. Durch transmediale Herangehensweisen und neue Narrative wird die weiße Deutungshoheit über das koloniale Erbe hinterfragt.

BARAZANI.berlin ist aus dem Bündnis Decolonize Berlin entstanden. Das Projekt wird von internationalen Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen der weltweiten dekolonialen Bewegung kuratorisch betreut. 

BARAZANI.berlin nutzt Doppelpunkte (:) oder Sternchen (*), um diverse Genderidentitäten in unseren Texten sichtbar zu machen und um binäre Genderkategorien zu denormalisieren. Da der Doppelpunkt (:) auch von Sprachausgabeprogrammen als Gendergap erkannt wird, greifen wir als diskriminierungssensibler virtueller Raum vor allem auf diese Schreibweise zurück.

Wer wir sind…
(in alphabetischer Ordnung)

Erfan Aboutalebi, Lahya Aukongo, Vincent Bababoutilabo, Christoph Balzar, Yusuf Beyazit, Tahir Della, Ibou Diop, Yann Le Gall, Anna Götz, Carina Herring, Christian Kopp, Mario Laarmann, hn. lyonga, Michael Westrich, Mirja Memmen, Mnyaka Sururu Mboro, Esther Muinjangue, Felicitas Qualmann, Raven Eye, Sonja Hohenbild, Tabita Rezaire, Lorenz Rollhäuser, Gad Shiynynuy, Chao Tayiana & Molemo Moiloa, Raul Walch. Dank an: Manuela Bauche, Anne-Marie-Bonnet, Bernd Sauer-Diete, Michael Fehr, Arne Hinrichsen, Hartwig Marx, Vincent Rebers, Hanune Shalati.

BARAZANI.berlin entstand 2020 aus dem »Arbeitskreis Museen und Sammlungen« des Bündnisses